Digitaler Produktpass und ERP: So kommen die Daten in den Pass

Die Daten für den Digitalen Produktpass liegen selten an einem Ort. Name, GTIN und Lieferant stehen meist im ERP, Materialien und Pflegehinweise oft im PIM, in Excel oder nur auf dem Etikett. Vom ERP in den Pass führen fünf Wege: ein Modul des ERP-Herstellers, ein PIM als Drehscheibe, eine Integrationsplattform, eine DPP-Plattform mit eigener Schnittstelle oder der Shop als Drehscheibe. Für kleine und mittlere Onlinehändler ist der letzte Weg meist der kürzeste. Ein fertiges DPP-Modul haben wir bei den gängigen Warenwirtschaften für den Mittelstand nicht gefunden.

Welche Passdaten im ERP liegen und welche nicht

Im ERP stehen meist die Daten, die du für Einkauf, Lager und Verkauf brauchst: Artikelname, GTIN, Artikelnummer, Lieferant und oft das Herkunftsland. Was ein Textilpass darüber hinaus braucht, fehlt dort häufig: Faseranteile in Prozent, der Ort der Konfektion, Pflege- und Reparaturhinweise, Angaben zum Recycling, Zertifikate und besorgniserregende Stoffe. Diese Angaben kommen vom Lieferanten und landen heute oft in Mails oder Tabellen.

Bevor du über eine Schnittstelle nachdenkst, lohnt deshalb ein Blick in die eigenen Daten. Steht das Material schon als Merkmal oder Freifeld im ERP, ist der Weg in den Pass kurz. Steht es nirgends, hilft dir keine Schnittstelle, dann fehlen die Daten selbst.

Fünf Wege vom ERP zum Pass

Das DPP-Modul des ERP-Herstellers

Der bequemste Weg wäre ein Modul direkt in der Warenwirtschaft. In der Dokumentation von JTL-Wawi, Xentral, plentyONE, weclapp und Billbee haben wir am 4. November 2026 keines gefunden. SAP hat einen Batteriepass ausgeliefert, er läuft über SAP S/4HANA und das SAP Business Network und richtet sich an große Unternehmen.

Das PIM als Drehscheibe

Ein PIM pflegt Produktdaten zentral und verteilt sie an Shop, Marktplätze und Kataloge. Für den Pass ist es naheliegend, weil Materialien und Pflegehinweise dort ohnehin gepflegt werden. Eigene DPP-Funktionen haben die bekannten Systeme aber selten:

  • Pimcore hat kein eigenes DPP-Modul. Im Pimcore Store gibt es eine kostenpflichtige Erweiterung eines DPP-Anbieters.
  • Akeneo bietet den Pass über eine Partner-App an, veröffentlicht im Juni 2024.
  • Bluestone PIM hat eine DPP-Erweiterung ausgeliefert, ein eigenes Modul ist angekündigt.
  • Centric bietet seit September 2026 Centric DPP an, verbunden mit dem eigenen PLM.

Die Integrationsplattform

Eine Integrationsplattform verbindet Systeme, die nicht direkt miteinander sprechen, etwa ERP, PIM und eine DPP-Software. Das ist flexibel, braucht aber jemanden, der die Verbindungen einrichtet und pflegt. Für ein kleines Sortiment ist das meist zu viel Aufwand.

Die DPP-Plattform mit eigener Schnittstelle

Manche DPP-Anbieter nehmen Daten über eine eigene Schnittstelle entgegen. Dein ERP oder ein Dienstleister schickt die Daten dorthin. Das passt zu Unternehmen mit eigener IT oder einer Agentur, die die Anbindung baut.

Der Shop als Drehscheibe

Viele Händler gleichen ihr ERP ohnehin mit dem Onlineshop ab. Wenn der Abgleich auch eigene Felder überträgt, stehen die Passdaten danach im Shop, und eine DPP-App kann sie dort lesen. Bei Shopify landen solche Felder in Metafeldern. Wie gut das klappt, hängt am Connector deines ERP:

ERPAbgleich mit ShopifyEigene Felder als Metafelder
JTL-WawiJTL-Connector ShopifyJa, über Attribute, deren Name mit meta_ beginnt. Merkmale überträgt der Connector nicht
XentralXentral ConnectJa, Freifelder lassen sich typgleichen Metafeldern zuordnen
plentyONEShopify-AppJa, Eigenschaften werden als Metafelder an den Varianten angelegt
weclappAnbindung laut Doku vorhandenArtikelzusatzfelder werden abgeglichen, ob als Metafelder, sagt die Doku nicht
BillbeeBillbee-AppBillbee holt Artikel und Bestellungen aus Shopify, Stammdaten schreibt es laut Hilfe nicht zurück
SAP Business Onekein Connector von SAP, nur Apps anderer Anbieternicht belegt

Bei Xentral gilt eine Falle: Passt der Typ eines Freifelds nicht zum Metafeld, lehnt Shopify die ganze Übertragung für den Artikel ab. Ohne ERP-Abgleich kannst du Metafelder auch selbst füllen, über den CSV-Import von Shopify mit Spalten wie product.metafields.namespace.key oder im Bulk-Editor.

Welcher Weg zu wem passt

WegFür wenAufwand
Modul des ERP-HerstellersUnternehmen mit SAP und großem Budgethoch, im Mittelstand kaum verfügbar
PIM als DrehscheibeMarken, die schon ein PIM nutzenmittel, oft mit Erweiterung
IntegrationsplattformUnternehmen mit vielen Systemen und eigener IThoch
DPP-Plattform mit SchnittstelleUnternehmen mit Entwicklern oder Agenturmittel bis hoch
Shop als DrehscheibeOnlinehändler, deren ERP mit dem Shop abgleichtgering

Wann sich eine ERP-Anbindung lohnt

Das Fraunhofer IPK unterscheidet in einem Whitepaper vom Februar 2026 drei Strategien. Ein Basic DPP liefert die Daten, die das Gesetz mindestens verlangt. Ein Integrated DPP hängt an ERP, PLM oder Fertigungssystemen, damit die Pflege weniger Arbeit macht. Ein Enhanced DPP wird zur Grundlage für eigene Dienste, etwa Reparatur oder Wiederverkauf. Das sind Strategien des Instituts, keine gesetzlichen Stufen.

Für ein kleines Sortiment reicht meist der erste Schritt. Eine Anbindung lohnt sich, wenn du viele Artikel hast, die sich oft ändern, und die Passdaten schon sauber im ERP stehen. Wer seine Daten erst sammeln muss, fängt mit einer Tabelle an. Wie das geht, steht unter Digitalen Produktpass erstellen.

Was Mapasso kann und was nicht

Mapasso ist eine App für Shopify und nutzt den Shop als Drehscheibe.

Das kann Mapasso:

  • Name und GTIN aus deinen Shopify-Produkten übernehmen. Die GTIN kommt aus dem Barcode-Feld der ersten Variante.
  • Pass-Felder aus Metafeldern vorbefüllen. In den Einstellungen wählst du unter „Metafelder übernehmen“, welches Produkt-Metafeld welches Feld füllt, etwa Produktionsort, Hersteller, Pflege, Reparatur, Recycling, Marke oder Herkunftsland. Das geschieht beim Anlegen des Passes.
  • Pässe per CSV-Datei importieren und alle Pässe als CSV oder JSON-LD exportieren.

Das kann Mapasso nicht:

  • direkt mit einem ERP oder PIM sprechen
  • Metafelder an Varianten lesen, nur Metafelder am Produkt
  • Daten über eine offene Schnittstelle entgegennehmen

Gleicht dein ERP Felder in Produkt-Metafelder ab, etwa JTL-Wawi über meta_-Attribute oder Xentral über Freifelder, kommen diese Angaben so in den Pass. Für alles andere gibt es den CSV-Import. Mehr zur App steht unter Digitaler Produktpass als Shopify-App.

Häufige Fragen

Brauche ich ein ERP für den Digitalen Produktpass?

Nein. Für einen kleinen Katalog reichen eine Tabelle und eine Software, die daraus Pässe anlegt. Ein ERP hilft, wenn du viele Artikel hast und die Daten dort schon pflegst.

Hat JTL-Wawi einen Digitalen Produktpass?

In der Dokumentation von JTL haben wir am 4. November 2026 kein Modul dafür gefunden. Über den JTL-Connector für Shopify kommen eigene Felder als Metafelder in den Shop, von dort kann eine DPP-App sie lesen.

Kann mein PIM den Pass erstellen?

Das hängt am System. Pimcore und Akeneo bieten den Pass über Erweiterungen oder Partner-Apps an, Bluestone und Centric über eigene Funktionen. Prüfe, ob der Pass dort eine feste Adresse und einen QR-Code bekommt.

Wie fülle ich Metafelder in Shopify ohne ERP?

Über den Produkt-Import von Shopify mit Spalten wie product.metafields.namespace.key oder im Bulk-Editor. Metafelder an Varianten schreibt der CSV-Import laut Shopify nicht.

Quellen (15)

Alle abgerufen am 4. November 2026.